Kaffee in den Händen von Frauen
Im Hochland Nicaraguas haben sich Frauen aus dem Kooperativenverband UCA Miraflor zusammengeschlossen, um ihren eigenen Kaffee anzubauen, aufzubereiten und gemeinsam zu vermarkten. Café Feminista erzählt ihre Geschichte – vom Kaffeefeld bis in die Tasse.
Kaffee, den Frauen selbst gestalten
Café Feminista ist ein Kaffeeprojekt von Frauen aus dem Kooperativenverband UCA Miraflor in Nicaragua. Sie bewirtschaften eigene und gemeinschatliche Kaffeeflächen, organisieren ihre Arbeit und vermarkten ihre Ernte über die Kooperative. So schaffen sie sich eigene Einkommensmöglichkeiten und setzen sich für mehr Seblstbestimmung in einer Männer geprägten Gesellschaft ein.
In einer Region, in der landwirtschaftliche Entscheidungen häufig von Männern getroffen werden, übernehmen die Kaffeebäuerinnen mit Café Feminista selbst Verantwortung. Sie organisieren sich innerhalb der UCA Miraflor, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln ihre Kaffeeproduktion gemeinsam weiter.
Wie viel das für die Einzelnen bedeutet, erzählen die Frauen selbst: Eine Kaffeebäuerin berichtet, dass sie als einzige Frau Mitglied ihrer lokalen Kooperative ist. Andere erzählen von höheren Einnahmen durch ihren Honey-Kaffee und davon, wie sie damit ihre Familien unterstützen.
Die Zusammenarbeit reicht bis nach Leipzig: Der Kooperativenverband UCA Miraflor ist selbst Mitglied unserer Café Chavalo eG. So ist die Kooperative nicht nur Handelspartnernin, sondern kann auch ihre Perspektiven in genossenschaftliche Entscheidungen einbringen.
Wo unser Feminista-Kaffee wächst
Im Naturreservat Miraflor, nahe der Stadt Estelí im Norden Nicaraguas, wächst der Bio-Arabica für Café Feminista. Das bergige Hochland bietet unterschiedliche Höhenlagen und Anbaubedingungen.
Die Kaffeepflanzen wachsen in Mischkultur zwischen Schattenbäumen, Obstbäumen und weiteren Nutzpflanzen. Auf ihren Flächen bauen die Familien neben Kaffee auch Lebensmittel an. Das schafft zusätzliche Erzeugnisse für den eigenen Bedarf oder die Vermarktung und verringert die alleinige Abhängigkeit von der Kaffeeernte.
Die reifen Kaffeekirschen werden von Hand geerntet. Nach der Ernte folgt ein Verarbeitungsschritt, der Café Feminista besonders macht: die Honey-Aufbereitung.
Honey-Aufbereitung. Aus guten Gründen.
Weniger Wasser. Mehr Handarbeit. Ein besonderer Geschmack. Bei Café Feminista entscheiden sich die Kaffeebäuerinnen bewusst für die Honey-Aufbereitung. Ein Verfahren, das nicht nur den Geschmack prägt, sondern für die Frauen in Miraflor auch wirtschaflich interessant ist.
Was bedeutet Honey-Aufbereitung?
Nach der Ernte werden die reifen Kaffeekirschen zunächst von ihrer äußeren Schale und einem Teil des Fruchtfleisches befreit. Anders als bei der gewaschenen Aufbereitung bleibt die klebrige Fruchtfleischschicht, die sogenannte Mucilage, teilweise an den Kaffeebohnen haften.
Die Bohnen werden anschließend mit dieser Schicht getrocknet. Während der Trocknung müssen sie regelmäßig gewendet und sorgfältig kontrolliert werden. Das erfordert Zeit, Erfahrung und zusätzliche Handarbeit.
Warum entscheiden sich die Frauen dafür?
Eine Kaffeebäuerin aus der Kooperative Esperanza, die zur UCA Miraflor gehört, erklärt in einem unserer Interviews, dass Wasser in ihrer Region kanpp ist. Die Honey-Aufbereitung kommt ohne den Waschschritt aus, der bei der klassischen gewaschenen Aufbereitung üblich ist.
Andere Frauen berichten, dass sie für ihren Honey-Kaffee höhere Preise erzielen. Eine Kaffeebäuerin aus Miraflor beschreibt, dass die Verarbeitung zwar aufwendiger ist, ihrer Familie aber zusätzliche Einnahmen ermöglicht.
Die Honey-Aufbereitung verbindet für die beteiligten Frauen also zwei wichtige Aspekte: einen geringere Wasserbedarf im Vergleich zur gewaschenen Aufbereitung und die Möglichkeit, mit ihrem Kaffe höhere Erlöse zu erzielen.
Und wie schmeckt Honey-Kaffee?
Die anhaftende Fruchtschicht beeinflusst die Prozesse während der Trocknung und damit auch das spätere Geschmacksprofil.
Café Feminista zeichnet sich durch süße Geschmacksnoten aus, die an braunen Zucker, Datteln und Honig erinnern. Trotz seines Namens wird bei der Honey-Aufbereitung übrigens kein Honig zugesetzt. Die Bezeichnung bezieht sich auf die klebrige, honigartige Schicht an den Bohnen.
Mehr als nur ein Kaffeepreis
Ein garantierter Mindestpreis. Zwei feste Prämien. Und eine zusätzliche Prämie für den aufwendig aufbereitetren Honey-Kaffee. Doch entscheidend ist nicht nur, wie viel bezahlt wird, sondern auch, wer über die Verwendungen der Prämien bestimmt: die Menschen in den Kooperativen selbst.
Ein Kaffeepreis, der sich am Markt orientiert – mit fester Untergrenze
Be Café Chavalo legen wir den Einkaufspreis nicht zu Jahresbeginn oder an einem einzelnen Tag mit besonders niedrigem Börsenpreis fest. Stattdessen ermittlen wir den durchschnittlichen Kaffeebörsenpreis im Zeitraum von November bis Februar. Dieser Durchschnitt bildet die Grundlage für unsere Bezahlung.
Liegt der ermittelte Durchschnitt unter 2 US-Dollar pro amerikanischem Pfund Kaffee (rund 454 Gramm), greift unser garantierter Mindestpreis von 2 US-Dollar. Liegt er darüber, ist der höhere Preis maßgeblich.
Zwei feste Prämien. Unabhängig vom Börsenpreis.
Zum Grundpreis zahlen wir immer zwei fest vereinbarte Prämien – auch dann, wenn die Börsenpreise stark steigen. Die zusätzlichen Gelder gehen an die Kooperative.
Wie sie verwendet werden, entscheiden die Mitglieder der Kooperative vor Ort. In einem schwierigen Kaffeejahr können die Prämien beispielsweise an die Kaffeefamilien ausgezahlt werden. In anderen Jahren fließen sie möglicherweise in gemeinschaftliche Vorhaben – etwa Schulmaterialien, Stipendien oder die Instandhaltung von Einrichtungen.
Eine zusätliche Prämie für Café Feminista
Für den Honey-Kaffee vereinbaren wir mit der Kooperative eine weitere Prämie. Denn seine Aufbereitung ist besonders arbeitsintensiv: Schon das Entfernen der Fruchtschale, das sogenannte Entpulpen, erfordert sorgfältige Arbeit. Während der anschließenden Trocknung müssen die Bohnen regelmäßig gewendet und kontrolliert werden. Regen und wechselhafte Wetterbedingungen können diesen Prozess zusätzlich erschweren.
Mit der zusätzlichen Prämie berücksichtigen wir diesen Mehraufwand bei der Bezahlung.
Wer entscheidet über die Verwendung?
Wir geben von Leipzig aus nicht vor, für welche Projekte die Prämien eingesetzt werden müssen. Diese Entscheidungen treffen die Mitglieder der Kooperative selbst.
Denn die Kooperativen in Nicaragua funktionieren nach einem genossenschaftlichen Prinzip: Die Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern sind nicht nur Produzentinnen und Produzenten, sondern auch Mitglieder ihrer Kooperative. Sie beraten gemeinsam und stimmen darüber ab, wie die zusätzlichen Gelder verwendet werden.
Ob Unterstützung für Kaffeefamilien in schwierigen Erntejahren, Schulmaterialien, Stipendien oder gemeinschaftliche Investitionen – die Mitglieder der Kooperative entscheiden selbst, wofür die Prämien eingesetzt werden.
Vom Rohkaffee in die Tasse
Nach der Ernte und Honey-Aufbereitung reist der Rohkaffee aus Nicaragua nach Deutschland. Der Großteil kommt mit einem Containerschiff nach Hamburg. Ein Teil unseres Café Feminista legt die Atlantiküberquerung inzwischen auch mit dem Segelschiff zurück. Dieser Transportweg kann beim Kauf gezielt ausgewählt werden.
In Deutschlad wird der Kaffee unterschiedlich geröstet – als Café Feminista Kaffee oder Espresso, jeweils mit eigenem Geschmacksprofil. Beide gibt es als ganze Bohne oder bereits gemahlen.
Café Feminista Kaffee – Medium Roast
Unser Feminsta-Kaffee wird als American Roast medium geröstet. Er verbindet Noten von dunkler Schokolade, Kakao und Mandel mit feinem Marzipan und einer leichten Dattelsüße. Sein mittelschwerer Körper, die seidige Textur und die zurückhaltende Säure sorgen für ein ausgewogenes Geschmacksprofil.
Café Feminista Espresso – Dark Roast
Für unseren Feminista-Espresso wählen wir eine dunklere Röstung, den Dark Roast. Hier treffen fruchtige Noten von Passionsfrucht auf Honig und Karamell. Das Ergebnis ist ein geschmeidiger Espresso mit nüßer Note.
Geröstet in Gronau und Leipzig
Die 250-Gramm-Beutel werden in der Bio-Rösterei Niehoff in Gronau geröstet. Kaffee und Espresso sind jeweils als ganze Bohne oder gemahlen erhältlich.
Unsere größeren Mengen werden dagegen in weiderverwendbaren Pfandeinmern im Leipziger Westwerk geröstet. Die Eimer gibt es in den Größen 2 kg, 3,33 kg und 10 kg.
Nach Gebrauch können die Pfandeimer zurückgegeben werden. Anschließend werden sie gereinigt und erneut befüllt. So kommen die Behälter mehrfach zum Einsatz.
Eine Zusammenarbeit. Viele Geschichten.
Café Feminista ist nur ein Teil unserer Zusammenarbeit mit den Kooperativen in Nicaragua. Gemeinsam mit den Kaffeefamilien entstehen weitere Projekte, die weit über den Kaffeehandel hinausreichen.
Lerne die Menschen, ihre Ideen und unsere gemeinsamen Porjekte kenne.