Kaffee braucht mehr als gutes Wetter.
Hinter jeder Tasse Kaffee steckt eine Menge Arbeit. Und vieles, das sich nicht vorhersagen lässt. Wir zeigen, vor welchen Herausforderungen unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern in Nicaragua stehen, wie sie ihren Kaffee anbauen und welche Rolle Preise, Handelsbeziehungen und Transport dabei spielen.
Wenn das Wetter die Ernte bestimmt
Mal bleibt der Regen aus, mal fällt zu viel auf einmal. Für die Kaffeefamilien in Nicaragua können solche Veränderungen große Folgen haben. Trockenheit, starke Niederschläge und Pflanzenkrankheiten wie der Kaffeerost können die Ernte gefährden.
Dabei geht es um mehr als die Qualität des Kaffees. Es geht um das Einkommen der Familien und darum, wie sie ihren Kaffee auch in Zukunft anbauen können.
Wenn der Kaffee plötzlich nicht mehr reicht
2011 verlor eine Kaffeefamilie der Kooperative Tierra Nueva durch Kaffeerost mehr als 80 % ihrer Kaffeepflanzen. Um die Ernteausfälle aufzufangen, setzte die Familie zusätzlich auf Imkerei sowie den Anbau von Kakao, Kurkuma und Zitrusfrüchten.
Die Kooperative half beim Wiederaufbau der Plantage. Erst nach mehreren Jahren lieferten die neuen Kaffeepflanzen wieder ausreichend Ertrag.
Kaffee wächst nicht allein
Auf den Bio-Kaffeeplantagen unserer Partner in Nicaragua wachsen zwischen Kaffeepflanzen auch Bananenstauden, Obstbäume und andere Nutzpflanzen. Die größeren Bäume spenden Schatten, schützen die Kaffeepflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung und bieten Lebensraum für verschiedene Tierarten.
Diese Mischkulturen ermöglichen den Familien außerdem, neben Kaffee weitere Lebensmittel anzubauen und zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen. Gerade wenn die Kaffeeernte einmal schlechter ausfällt, kann diese Vielfalt besonders wichtig sein.
Ein Preis, auf den Verlass ist
Für die Kaffeefamilien in Nicaragua ist nicht nur die Ernte entscheidend, sondern auch der Preis, den sie für ihren Kaffee erhalten. Deshalb arbeitet Café Chavalo mit einem vereinbarten Preismodell aus Mindest-Grundpreis und zusätzlichen Prämien.
Das Besondere: Die Kooperativen verwalten ihre Prämien selbst. Ihre Mitglieder können genossenschaftlich mitbestimmen, wie das Geld eingesetzt wird. Gemeinsam entscheiden sie, ob beispielsweise Rücklagen gebildet, Familien in schwierigen Zeiten unterstützt oder neue Projekte finanziert werden.
Wie setzt sich unser Kaffeepreis zusammen?
Unser Grundpreis orientiert sich am durchschnittlichen Kaffeebörsenpreis zwischen November und Februar. Fällt dieser unter 2 US-Dollar je US-Pfund Rohkaffee, greift unser garantierter Mindestpreis von 2 US-Dollar.
Zusätzlich zahlen wir zwei feste Prämien, unabhängig von der Höhe des Kaffeebörsenpreises. Je nach Projekt kommen weitere Prämien hinzu, beispielsweise für die aufwendigere Honey-Aufbereitung bei Café Feminista.
Was, wenn wir eine Ernte gemeinsam tragen?
Mit unserer wir.kaffee Solawi finanzieren die Mitglieder gemeinsam die Kaffeeernte unserer Partnerkooperative UCA Miraflor in Nicaragua.
Ihre Jahresbeiträge schaffen Planungssicherheit und verringern die Abhängigkeit von kurzfristigen Schwankungen des Weltmarktpreises. Im Gegenzug erhalten die Mitglieder ein Kaffeeguthaben und teilen sich die tatsächlich verfügbare Ernte.
Kaffee auf unterschiedlichen Wegen
Über 9.000 Kilometer liegen zwischen unseren Partnerkooperativen in Nicaragua und uns in Leipzig. Ein großer Teil unseres Kaffees kommt mit dem Containerschiff nach Europa und wird anschließend per Lkw weitertransportiert.
Unser Segel-Kaffee nimmt einen anderen Weg: Rund 15 bis 20 Tonnen jährlich überqueren den Atlantik mit dem Segelschiff. In Deutschland übernehmen selbst organisierte Fahrradgruppen einen Teil des Weitertransports und bringen den Kaffee in ausgewählte Läden.
Ein Eimer, viele Füllungen
Kaffee muss nicht immer im Einwegbeutel verpackt sein. Deshalb bieten wir größere Kaffeemengen auch in wiederverwendbaren Weißblech-Eimern an.
Nach dem Verbrauch können die leeren Pfandeimer zurückgegeben werden. Wir reinigen sie in Leipzig und befüllen sie erneut mit frisch geröstetem Kaffee. So können die Eimer mehrfach verwendet werden und Einwegverpackungen ersetzen.
Verantwortung endet nicht beim Kaffee
Wie Kaffee angebaut, bezahlt, transportiert und verpackt wird, hängt von vielen Entscheidungen ab. Nicht auf alles haben wir Einfluss. Aber dort, wo wir mitgestalten können, suchen wir gemeinsam mit unseren Partnerkooperativen nach Lösungen.
Dabei geht es nicht um perfekte Antworten, sondern darum, langfristig zusammenzuarbeiten, Erfahrungen zu sammeln und neue Wege auszuprobieren.